Die hier vorgestellten Pokerspieler zählen nicht nur zu den besten Spielern aller Zeiten, sondern sind darüber hinaus maßgeblich an der Erfolgsgeschichte des Sports beteiligt. Ohne sie hätte Poker heute nicht den gleichen Stellenwert in unserer Gesellschaft – sie sind wahre Poker Legenden! Ihre Geschichten sind so interessant und facettenreich, dass man mit jedem Einzelnen von ihnen ein ganzes Buch füllen könnte. Wir werden unser Bestes geben, Ihnen die Legenden etwas näher zu bringen und regelmäßig neue Charaktere vorstellen. Also schauen Sie öfter mal vorbei, um neue Poker Legenden kennenzulernen.

Lester Ben „Benny“ Binion

Zuerst möchten wir Ihnen den „Erfinder“ der World Series of Poker vorstellen: Lester Ben Binion, genannt „Benny“ oder „The Cowboy“. Er wurde am 20.November 1904 geboren und verstarb im Alter von 85 Jahren am 25.Dezember 1989. Das er überhaupt so alt wurde ist ein kleines Wunder. Denn Benny ist nicht nur als Casinobesitzer und Gründer der WSOP im Jahr 1971 bekannt, sondern auch als Mafiaboss.

Seine kriminellen Machenschaften umfassten alles was man sich nur vorstellen kann: Schwarzbrennerei, illegales Glücksspiel, Prostitution, Mord und die Liste geht ewig weiter. Binion war in den 1930er und 1940er Jahren der mächtigste Mann in Dallas, Texas. Als dort 1946 ein neuer Sheriff gewählt wurde, wurde es Binion zu heiß und er floh nach Las Vegas. Dort wurde er recht schnell zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt…wegen Steuerhinterziehung, wie es sich für einen waschechten Mafiaboss gehört. Aufgehalten hat Benny das nicht. Sein Casino wurde sehr schnell zu einem der beliebtesten Plätze in ganz Vegas.

Im Binion’s Horseshoe Casino gab es die höchsten Tischlimits und er kümmerte sich sehr gut um seine Gäste. Das Essen war hervorragend und günstig, da die Steaks direkt von seiner eigenen Ranch in Montana kamen. Sein offizieller Titel war „Director of Public Relations“, da es für ihn nach seiner Verurteilung nicht mehr möglich war eine Glücksspiellizenz zu halten und somit ein Casino zu führen. Sein Sohn durfte dies allerdings tun und so konnte Benny „the Cowboy“ weiter seinen Geschäften nachgehen. Bereits vor Gründung der WSOP arrangierte er Heads-Up Spiele zwischen den besten Spielern der damaligen Zeit. Eines Tages kam ihm dann die Idee ein Turnier für diese Spieler auszurichten und der Rest ist Geschichte.

Stu „The Kid“ Ungar

Den Spitznamen „The Kid“ bekam Stu Ungar weil er bereits in frühen Jahren ein sehr erfolgreicher Glücksspieler war. Er konnte das Main Event der WSOP dreimal gewinnen – 1980, 1981 und 1997. Früh von der Schule abgegangen, um seine Mutter und Familie finanziell zu unterstützen, stieg der am 8.September 1953 geborene Ungar rasend schnell zu einem der herausragendsten Gin Rummy Spieler auf. Er war sogar so gut darin, dass Casinos ihm den Eintritt untersagten und sich auch anderswo niemand fand der gegen „The Kid“ antreten wollte.

So wandte er sich dem Pokern zu und gilt bis heute als einer der besten Pokerspieler aller Zeiten. Es gelang ihm das Main Event zweimal in Folge zu gewinnen. Leider war er beim Geld ausgeben genauso gut wie beim Geld einnehmen. Bei seiner letzten Teilnahme am Main Event der WSOP im Jahr 1997, das er gewinnen konnte, musste er sich die 10.000$ Startgebühr leihen und das obwohl er geschätzte 30 Millionen Dollar in seiner Karriere gewann. Ein Grund für den Verlust des Geldes war sicherlich auch sein exzessiver Drogenmissbrauch, der ihn im Jahr 1998 das Leben kostete. Seine Geschichte ist so faszinierend, dass sie 2003 auch verfilmt wurde. 

Thomas Austin „Amarillo Slim“ Preston Jr.

Ein weiteres Mitglied der Poker Hall of Fame ist Amarillo Slim. Seinen Spitznamen verdankt er seiner extrem zierlichen Statur. Thomas Preston wurde am 31.Dezember 1928 geboren und gewann vier Bracelets bei der Word Series of Poker, darunter einmal das Main Event im Jahr 1972. Zwei der vier Bracelets gewann er beim Pot Limit Omaha und er gilt als einer der komplettesten Pokerspieler aller Zeiten. Es wurde ihm nachgesagt die Hand seines Gegners allein an dessen Puls ablesen zu können.

Sein Charisma machte ihn zu einem der beliebtesten Charaktere der Pokerwelt. So trug er maßgeblich zur Verbreitung des Spiels bei und war in vielen amerikanischen Talkshows zu sehen. Bevor er im Jahr 2012 verstarb, veröffentlichte Amarillo Slim zwei Bücher, darunter seine Memoiren unter dem Titel Amarillo Slim in a World Full of Fat People. In dem Buch sind einige hochinteressante Geschichten zu lesen, zum Beispiel über Pokerspiele mit dem amerikanischen Präsidenten Richard Nixon oder dem Gründer des Hustler Magazin Larry Flint. Ein Muss für jeden Pokerliebhaber!

 

Doyle „Texas Dolly“ Brunson

Diese lebende Legende des Pokers hat sich mit seinem Markenzeichen dem Cowboyhut und dem Spitznamen „Texas Dolly“ längst in der Poker Hall of Fame verewigt. Doyle Brunson wurde am 10.August 1933 in Longworth, Texas geboren und konnte in seiner illustren Karriere bereits 10 Bracelets gewinnen! Genauso viele wie Phil Ivey und Johnny Chan. Nur Phil „Poker Brat“ Hellmuth konnte mehr gewinnen – ganze 14.

Dabei begann die Karriere von Doyle Brunson bereits lange bevor es das erste Main Event bei der WSOP gab. In Fort Worth, der fünftgrößten Stadt Texas, spielte Texas Dolly regelmäßig bei den illegalen Pokerrunden mit und machte sich schnell einen Namen als erbarmungsloser Spieler. Schnell wurde klar, dass er in größeren Runden mitspielen kann, bei denen es um viel mehr Geld ging. So zog er jahrelang quer durch den Süden der USA, immer auf der Suche nach seinem nächsten Opfer. Auf seiner Reise traf er unter anderem auf Amarillo Slim und Brian „Sailor“ Roberts, mit denen er sich schlussendlich zusammentat und auf so ziemlich alles setzte was es gab.

Es sollten sechs Jahre vergehen, bis die Freunde ihren ersten ernsthaften Trip nach Las Vegas riskierten. Sie warfen all ihr Geld zusammen und…verloren alles – eine sechsstellige Summe! Daraufhin beschlossen sie nicht mehr gemeinsam durch die Staaten zu reisen, blieben aber weiterhin Freunde. Brunson siedelte sich schlussendlich in Las Vegas an und wurde zu einem der besten Pokerspieler der Welt.

Sein Wissen gab er in einigen Büchern weiter, unter anderem das sehr beliebte Super/System, dass bereits 1978 veröffentlicht wurde. Es sollten viele weitere Bücher folgen, doch seine besten Tipps hat er sich wohl für seinen Sohn aufgespart. Todd Brunson ist ebenfalls professioneller Pokerspieler, der im Jahr 2005 ein WSOP Bracelet gewinnen konnte. Damit wurde die Familie Brunson zur ersten Familie in der Vater und Sohn jeweils ein Turnier bei der WSOP gewinnen konnte.

Johnny „The Grand old Man of Poker“ Moss

Der erste Gewinner der WSOP hieß Johnny Moss, der am 14.Mai 1907 geboren wurde und am 16.Dezember 1995 verstarb. Dabei spielt es keine Rolle, welches Jahr denn nun genau als der Anfang des prestigeträchtigsten Turniers gilt. 1970 wurde die erste offizielle WSOP ausgetragen, allerdings spielten die sieben Teilnehmer lediglich Cash-Game. Am Ende wurde abgestimmt, um den besten Spieler zu ermitteln. Die erste Abstimmung brachte jedoch nichts, weil alle Spieler für sich selbst stimmten. Also wurden alle gebeten für den Zweitbesten Spieler zu stimmen und diese Wahl gewann Johnny Moss.

Ein Jahr drauf – im Jahr 1971 – wurde dann zum ersten Mal ein Turnier ausgetragen. Es nahmen sechs Spieler teil und der Gewinner hieß Johnny Moss. The Grand old Man of Poker gewann zudem im Jahr 1974 und ist damit, neben Stu Ungar, der einzige Spieler, der das Main Event der WSOP dreimal gewinnen konnte.

Bereits in frühen Jahren machte sich Moss mit dem Pokerspiel vertraut. Besonders interessiert war er an Kartentricks, zum Beispiel, wie man Karten von unten austeilt und sich damit einen Vorteil verschafft. Er behauptet diese Tricks lediglich geübt und niemals in einem echten Spiel eingesetzt zu haben…berechtigte Zweifel sind hierbei in jedem Fall angebracht. Wie dem auch sei, sein Auge für Schummeleien verhalf ihm dabei in Las Vegas als Sicherheitsleiter eingesetzt zu werden, der Spieler unter die Lupe nahm.

Johnny Moss war es auch, der (angeblich) das längste Heads-Up Match in der Geschichte spielte. Sein Gegner war der Grieche Nick Dandolos. Im Jahr 1949 wollte Dandolos ein nie da gewesenes Spiel abhalten. Er wollte über einen langen Zeitraum gegen den besten Spieler der Welt spielen und sich dabei in allen Pokervarianten mit ihm messen. Benny Binion sollte das Spiel einfädeln und er dachte dabei sofort an Johnny Moss.

Der stimmte nach etwas Überlegung zu und beide duellierten sich über 4-6 Monate (je nachdem wer die Geschichte erzählt). Nach unzähligen Händen musste Nick Dandolos schlussendlich aufgeben, Moss hatte alle seine Chips in seinem Besitz. Zwischen 2 und 4 Mio. Dollar soll er dem Griechen abgenommen haben – Ende der 40er Jahre war das eine gigantische Summe.

Die WSOP Titel hätte Moss also nicht benötigt, um Pokerspielern auf der ganzen Welt ein Begriff zu sein. Doch mit den Titeln gilt er als Vater des Pokerspiels und wird eine unvergessene Legende bleiben.

Archie „The Greek“ Karas

Um diesen griechischen Glücksspieler ranken sich ebenfalls viele Mythen und tollkühne Geschichten. Dabei darf Archie Karas nicht mit Nick Dandolos verwechselt werden, der ebenfalls „The Greek“ genannt wurde und angeblich Monate lang mit Johnny Moss ein Heads-Up Match spielte. Das Heads-Up Match wurde nie bestätigt und es gibt viele Zweifel daran, ob es überhaupt in dieser Form stattfand. Archie Karas hat ohnehin eine bessere Geschichte zu erzählen, die in Las Vegas nur als „The Run“ bekannt ist und ihn zum größten Gambler aller Zeiten machte!

„The Run“ spielte sich in den 90er Jahren ab und beginnt mit einer Leihgabe. Nachdem Karas in einer Pokerrunde sein Hab und Gut verspielte, lieh er sich zunächst 50$ um damit die Taxifahrt zu einem Bekannten zu finanzieren. Diesen überzeugte der begabte Pool Billiard Spieler ihm 10.000$ zu leihen. Die Leihe sollte sich auszahlen. In nur einer Nacht machte Karas beim Razz 30.000$ und zahlte den Betrag mit Zinsen zurück.

Von hier an spielte sich über einen Zeitraum von zwei Jahren unglaubliches ab. Beim Würfeln, Billiard, Baccarat und Poker vergrößerte Karas sein Vermögen zwischenzeitlich auf unglaubliche 40 Mio. Dollar! Dabei forderte Karas immer wieder die besten Pokerspieler der Welt heraus und schlug einen nach dem anderen.

Chip Reese gab zu in nur einer Nacht 2,2 Mio. Dollar gegen ihn verloren zu haben. Auch Stu Ungar, Johnny Chan und viele andere verloren große Beträge bei verschiedensten Pokervarianten. Seine unorthodoxe Spielweise und insbesondere seine Ignoranz gegenüber dem Wert von Geld verschaffte Karas einen entscheidenden Vorteil. Der größte Zocker aller Zeiten galt schnell als unbesiegbar.

Nachdem er die Taschen der besten Spieler der Welt geleert hatte, wollte niemand mehr gegen ihn spielen. Zu keinem Zeitpunkt dachte er daran, was er sich mit dem Geld alles kaufen könnte. Ein Haus, ein Auto, etwas zurücklegen, dass alles interessierte ihn nicht…Archie wollte einfach nur spielen. So wandte er sich wieder den Würfeltischen zu und spielte um die höchsten Beträge, die Vegas je gesehen hatte.

Seine Glückssträhne hielt an und schon sehr bald wollten Casinos Archie nicht mehr bei sich spielen lassen. Jack Binion genehmigte ihm schließlich weiterhin um hohe Summen zu spielen, allerdings müsste er dabei schlechtere Auszahlungsquoten akzeptieren. Und das war der Anfang vom Ende des legendären Runs. Die neuen Auszahlungsquoten waren noch vorteilhafter für das Casino. Diesem zuzustimmen bezeichnet Karas heute als den größten Fehler seines Lebens.

So hat die Geschichte von Archie Karas leider kein Happy End. Nachdem „nur“ noch etwas über 10 Mio. Dollar übrig waren gönnte er sich erst einmal eine Pause. Doch nur kurze Zeit später war er wieder an den Tischen zu finden und verzockte auch das letzte Geld. Mit seiner letzten Million spielte er ein Heads-Up Match gegen Johnny Chan und gewann.

Doch die Freude Werte nicht lange, denn kurz darauf verlor er das Geld wieder bei anderen Glücksspielen. Vor ein paar Jahren versuchte Karas so etwas wie ein Comeback beim Poker. Doch der mittlerweile in die Jahre gekommene Grieche war nicht sonderlich erfolgreich. Offensichtlich frustriert, versuchte er des Öfteren im Casino zu betrügen und darf so gut wie keines mehr betreten.